Jedes Jahr wiederholt sich derselbe Ablauf. Die Temperaturen sinken, die Tage werden kürzer, und irgendwann fällt Marken auf, dass ihre Sommerpalette nicht mehr zur Stimmung passt. Der Wechsel wirkt dann dringend, oft sogar überstürzt. Genau das ist das eigentliche Problem: Nicht der Herbst selbst bringt Marken aus dem Tritt, sondern der Moment, in dem die Entscheidung zu spät getroffen wird. Wer erst im September über die Trendfarben Herbst 2026 nachdenkt, reagiert nur noch auf eine Entwicklung, die längst begonnen hat. Kampagnenplanung, KI-generierte Bildwelten, Kollektionsdrops – all das braucht Vorlauf. Genau jetzt, Ende Juli, ist der Punkt, an dem sich dieser Vorlauf noch sinnvoll nutzen lässt.
Warum der Übergang selbst der kritische Moment ist
Der Fehler entsteht selten am eigentlichen Saisonwechsel. Er entsteht in den Wochen davor, in denen eine Marke weiterhin so kommuniziert, als wäre es noch Hochsommer, während das Umfeld sich bereits sichtbar verändert. Bilder wirken plötzlich zu hell, Farben zu leicht, Kampagnen inhaltlich nicht mehr stimmig. Für Außenstehende sieht das nicht wie eine bewusste Entscheidung aus, sondern wie eine Marke, die dem Kalender hinterherläuft. Dabei liegt die Lösung nicht darin, abrupt umzuschalten, sobald der erste kühle Tag kommt. Sie liegt darin, den Übergang als eigene Phase zu behandeln – mit einer Übergangspalette, die zwischen sommerlicher Leichtigkeit und herbstlicher Tiefe vermittelt, statt von einem Zustand direkt in den nächsten zu springen.
Aktuelle Trendfarben-Reports geben dafür eine konkrete Richtung vor. Für die Herbst/Winter-Saison 2026/2027 hat das Pantone Color Institute im Rahmen der New York Fashion Week eine Palette vorgestellt, die genau dieses Zwischenspiel aufgreift: erdige, warme Töne treffen auf kräftige, fast unerwartete Akzente. Das Farbinstitut beschreibt die kommende Saison als ein bewusstes Wechselspiel zwischen vertrauten, tragbaren Erdtönen und gesättigten, überraschenden Farben, die Energie und Spontaneität signalisieren, ohne dabei ins Überladene zu kippen. Für Marken bedeutet das: Der Herbst 2026 ist kein reiner Rückzug in gedeckte Farben, sondern ein bewusstes Nebeneinander aus Ruhe und Statement. Wie sich eine solche Palette überhaupt in eine funktionierende, langfristige Farbwelt überführen lässt, haben wir bereits in unserem Beitrag „Farbpaletten im Brand Design: Wie Marken eine funktionierende Farbwelt entwickeln” genauer beschrieben.
Dass dieser Zeitpunkt trotzdem regelmäßig verpasst wird, hat selten mit fehlendem Bewusstsein zu tun. Meist liegt es daran, dass sich niemand im Team explizit dafür verantwortlich fühlt, den Übergang aktiv zu gestalten. Die Sommerkampagne läuft noch, das nächste große Thema ist meist schon die Weihnachtssaison – und die Wochen dazwischen werden eher verwaltet als geplant. Hinzu kommt eine gewisse Zurückhaltung, sich bereits im Hochsommer auf Herbstfarben festzulegen, obwohl genau das der Punkt ist, an dem noch echte Wahlfreiheit besteht. Wer wartet, bis der Herbst spürbar da ist, wartet auf einen Moment, der bereits vergangen ist, sobald er wahrgenommen wird. Die Konsequenz ist selten ein sichtbarer Fehler, sondern ein leiser Rückstand: Kampagnen, die einige Wochen zu spät auf die Stimmung reagieren, Bildwelten, die noch nicht ganz zur Jahreszeit passen, Content, der thematisch hinterherhinkt, während Wettbewerber bereits im neuen Ton kommunizieren.
Für die Zielgruppe selbst ist dieser Rückstand meist nicht bewusst greifbar, wirkt sich aber trotzdem aus. Niemand analysiert bewusst, ob eine Kampagne farblich noch zur Jahreszeit passt. Trotzdem registriert das Auge solche Abweichungen zuerst, lange bevor der Verstand sie benennen kann. Eine Marke, die im Oktober noch mit sommerlicher Bildsprache kommuniziert, wirkt dadurch nicht bewusst “falsch”, sondern diffus weniger aktuell, weniger präsent, einen Schritt hinter dem, was gerade relevant ist. Genau dieser Eindruck ist es, der Vertrauen kostet, ohne dass sich ein konkreter Grund benennen ließe. Umgekehrt gilt: Eine Marke, die den saisonalen Übergang sichtbar mitdenkt, wird unbewusst als aufmerksamer und zeitgemäßer wahrgenommen – nicht, weil sie lauter kommuniziert, sondern weil sie den richtigen Ton zur richtigen Zeit trifft.
Welche Farben die Saison konkret prägen
Zu den zehn zentralen Farbtönen der Saison zählen unter anderem Muted Clay, ein warmer, erdiger Terrakotta-Ton, sowie Arabian Spice, ein tiefes, erdgebundenes Braun. Daneben stehen kühlere, ungewöhnlichere Nuancen wie Neptune Green, ein leicht retro wirkendes Wasserblau-Grün, und Burnt Olive, ein vielschichtiger, zurückhaltender Grünton. Als farbige Akzente kommen Festival Fuchsia und Foxglove, ein mauve-getöntes Rosa, hinzu – beide eignen sich weniger als Flächenfarbe, sondern als gezielter Kontrastpunkt. Ergänzt wird die Palette durch Red Mahogany, Acacia als grünlich-gelben Farbtupfer, und All Aboard, einen maritimen Blauton. Fünf zusätzliche, saisonunabhängige Farben sollen laut Pantone als verlässliche Basis dienen: Egret, ein warmes Cremeweiß, Candied Ginger als ruhiger, wandelbarer Neutralton, Toffee als zeitloses Braun, Underworld, ein mittleres Grau, sowie Poseidon, ein tiefes, gedecktes Ozeanblau. Diese fünf Töne sind besonders für Marken interessant, die eine Übergangspalette suchen, die auch über den Herbst hinaus funktioniert – etwa für Basics, Verpackung oder wiederkehrende Kommunikationselemente.
Ein Blick über die reine Pantone-Palette hinaus lohnt sich zusätzlich: Auf den Laufstegen der aktuellen Fashion Weeks in Berlin, Kopenhagen, London, New York, Mailand und Paris zeigte sich unabhängig davon ein weiterer, auffällig kräftiger Farbton – Violett. Ein reich glänzendes Lila fand sich in der Herbst/Winter-2026/27-Saison bei Marken wie Mugler, Chloé, Sportmax und Carolina Herrera, sowohl als Akzent als auch als eigenständiger, monochromer Look. Weil dieser Ton bei mehreren voneinander unabhängigen Fashion Weeks auftaucht und nicht nur bei einem einzelnen Farbinstitut, lohnt es sich, ihn als eigenständige, siebte Trendfarbe der Saison mitzudenken.
Für die praktische Anwendung heißt das: Erdtöne wie Muted Clay, Arabian Spice oder Toffee eignen sich als großflächige Grundfarben – für Hintergründe, Verpackungsdesign oder Bildwelten. Farben wie Festival Fuchsia, Acacia oder das kräftige Violett funktionieren dagegen besser als punktuelle Akzente, etwa in Kampagnenmotiven, Social-Media-Highlights oder Detailflächen, ohne das Gesamtbild zu dominieren. Wie stark eine Marke diese Palette aufgreift, hängt dabei stark von der eigenen Ausgangslage ab. Marken mit einer bereits sehr klaren, reduzierten Farbwelt sollten zurückhaltend vorgehen und sich auf einen, maximal zwei der genannten Töne beschränken – meist reicht ein einzelner Akzent, um die Saison spürbar zu machen, ohne die eigentliche Markenidentität zu verwässern. Marken, die ohnehin mit wechselnden Kampagnenfarben arbeiten, haben mehr Spielraum, mehrere Töne im Wechsel einzusetzen, sollten dabei aber darauf achten, dass die Auswahl nicht beliebig wirkt, sondern erkennbar aus derselben Palette stammt. In beiden Fällen gilt: Die Farbe ersetzt nicht die Markenidentität, sie ergänzt sie für eine begrenzte Zeit – und sollte danach genauso bewusst wieder zurückgenommen werden können, wie sie eingeführt wurde.
Wie man die Farben jetzt schon sinnvoll einsetzt
Der Wert dieser Farbtrends entsteht nicht dadurch, dass eine Marke sie unreflektiert übernimmt. Er entsteht dadurch, dass sie in ein bestehendes System eingeordnet werden. Genau hier liegt der Unterschied zwischen einer Marke, die dem Trend folgt, und einer Marke, die ihn für sich nutzt. Wer bereits eine klare Farbwelt hat, sollte prüfen, welche der genannten Töne sich organisch ergänzen lassen – nicht als Ersatz, sondern als saisonale Erweiterung. Wer noch keine feste Struktur hat, kann die Übergangsphase nutzen, um genau das nachzuholen: eine Basis zu definieren, bevor die nächste Saison beginnt und dieselbe Unsicherheit erneut auftritt.
Konkret bedeutet das für die kommenden Wochen: KI-generierte Kampagnenbilder und Bildwelten lassen sich bereits jetzt mit den wärmeren, erdigeren Tönen planen, bevor die Umsetzungszeiten im September eng werden. Social-Media-Content kann schrittweise auf die neue Palette vorbereitet werden, statt abrupt umzuschalten. Und wer im Herbst neue Produkte oder Kollektionen launcht, hat jetzt noch die Zeit, Verpackung, Website und Kampagne farblich konsistent aufeinander abzustimmen – statt im Nachhinein Einzelentscheidungen zu treffen, die sich nicht zu einem stimmigen Bild fügen. Damit das gelingt, braucht es weniger eine perfekte Planung als eine klare Abstimmung zwischen den Teams, die an unterschiedlichen Berührungspunkten arbeiten. Wenn Social Media, Website und Verpackung unabhängig voneinander entscheiden, wie stark sie die neue Palette aufgreifen, entsteht schnell genau die Uneinheitlichkeit, die eigentlich vermieden werden soll. Sinnvoller ist ein schrittweiser Rollout: zuerst in kleineren, schnell austauschbaren Formaten wie Social-Media-Content testen, wie die Farben in Kombination mit der bestehenden Bildsprache wirken, anschließend in größeren, langfristigeren Anwendungen wie Verpackung oder Website übernehmen. So bleibt genug Spielraum, um nachzujustieren, bevor eine Entscheidung an vielen Stellen gleichzeitig sichtbar wird. Genau dieser Vorlauf ist es, der aktuell noch zur Verfügung steht – und der im September bereits deutlich knapper wird.
Der Sommer macht sichtbar, wie klar eine Marke ist. Der Übergang in den Herbst macht sichtbar, wie vorausschauend sie arbeitet. Wer die kommenden Wochen nutzt, um Farbe, Bildsprache und Kommunikation bewusst aufeinander abzustimmen, muss im Herbst nicht mehr reagieren – die Entscheidungen sind dann längst getroffen.
Bei NABR Studios begleiten wir Marken genau durch diese Übergangsphasen – von der Auswahl einer stimmigen Saisonpalette über die Umsetzung in Kampagnen und KI-generierten Bildwelten bis hin zu Verpackung und Social-Media-Content, der zur restlichen Markenwelt passt. Wenn ihr eure Herbstkommunikation noch rechtzeitig abstimmen möchtet oder Fragen zur Umsetzung habt, freuen wir uns über eure Nachricht an contact@naber-studios.com.



